Herzsportgruppe Turnverein Elsenfeld Ansprechpartner: Ingbert Frankenberger Tel.: 09372/8954
  Elfriede Hofmann beteiligt   sich   seit   gut   einem   Jahr   am   Herzsport   einer   Dienstags-Gruppe   des   Turnvereins   "Elsava".   Eine   Herzattacke   setzte   ihren   sportlichen Ambitionen   ein   Ende,   die   zu   außerordentlichen   Leistungen   geführt   haben.   Da   stellt   sich   natürlich   nun   die   Frage,   wie   eine   Spitzensportlerin, die    in    persönlich    guten    Zeiten    internationale    Rekorde    gesammelt    hat,    eine    solche    Umorientierung    verkraftet?    Sind    die    Übungen    des Herzsports für sie nicht einige Nummern zu klein? Ingbert Frankenberger, Leiter der Abteilung "Herzsport", befragte Elfriede Hofmann zu ihrer Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Liebe   Elfriede   -   Ehre,   wem   Ehre   gebührt!   Der   Landkreis   Miltenberg   hat   anlässlich   seines   40jährigen   Bestehens   die   bedeutendste   "Sportlerin   der   letzten 40   Jahre"   gesucht   und   du   bist   dazu   aus   sechs   Nominierungen   am   30.   November   2012   beim   "Tag   des   Sports"   in   der   Elsenfelder   Sparkassen-Arena   von den   Besuchern   gewählt   worden.   Es   war   also   keine   Entscheidung,   die   Funktionäre   am   "grünen   Tisch"   getroffen   haben,   sondern   eine   Entscheidung   von Menschen   unseres   Landkreises,   die   dem   Sport   verbunden   sind.   Sie   sagten   damit,   dass   du   sie   mit   deinen   sportlichen   Leistungen   innerhalb   der   letzten vier Jahrzehnte am stärksten beeindruckt hast". Das hat doch sicher gut getan? Das   stimmt!   Ich   war   überrascht,   weil   meine   sportlichen   Erfolge   doch   schon   ein   Stück   weit   in   der   Vergangenheit   liegen.   Gefreut   habe   ich   mich   darüber aber sehr. Wann und wie bist Du überhaupt zur Leichtathletik gekommen? Als   Kind,   Jugendliche   und   junge   Erwachsene   habe   ich   sportlich   nichts   getan.   Erst   im Alter   von   32   Jahren   kam   die   Wende.   Mein   Hausarzt   attestierte   mir niedrigen   Blutdruck   und   empfahl   mir   "viel   im   Wald   zu   laufen".   Ich   tat   es   und   merkte   bald,   dass   mir   das   Laufen   richtig   Spaß   macht,   insbesondere   als   sich noch   andere   dazu   gesellten.   Zu   dieser   Zeit   trat   ich   auch   in   eine   Frauen-Gymnastikgruppe   des   TV   "Elsava"   ein.   Und   in   dieser   Gruppe   diskutierte   man bald,   ob   man   nicht   gemeinsam   das   Sportabzeichen   machen   sollte.   Das   war   1971.   Mein   Auftritt   bei   der   Prüfung   für   das   Sportabzeichen   war   dann   fast schon   sensationell: Auf Anhieb   sprang   ich   4,25   m   weit   und   lief   die   100   m   in   16,2   sek.   Ich   verschrieb   mich   nun   noch   mehr   dem   Sport,   spielte Tennis   und gab als Übungsleiterin Kindern Schwimmtraining. Und der Anreiz, immer mehr zu tun, war da: Jährlich wiederholte ich die Prüfung zum Sportabzeichen. Der   Sport   war   in   dieser   Zeit   wohl   schon   zur   Stimulanz   geworden?   Da   ist   es   sicher   nicht   mehr   weit   bis   zur   Teilnahme   an   regionalen   Meisterschaften?   Ich denke, dass das Kräftemessen mit anderen Sportlern da mehr und mehr an Reiz gewonnen hat. Das   war   so!   1989   fanden   in   Hösbach   die   Bayerischen   Seniorenmeisterschaften   in   der   Leichtathletik   statt.   Aus   der   Berichterstattung   darüber   habe   ich entnommen,   dass   mir   die   Siegerzeiten,   die   dort   über   100   m   und   200   m   gelaufen   worden   sind,   nicht   schwer   gefallen   wären.   Ich   habe   daraufhin   das Gespräch   mit   einem   Seniorentrainer   des   LAZ   Miltenberg   gesucht,   der   mir   die   Teilnahme   an   den   Bayerischen   Seniorenmeisterschaften   1990   empfohlen hat.   Ich   startete   in   Erding   und   holte   mir   zwei   Gold-   und   eine   Silbermedaille   im   100   m-Lauf,   200   m-Lauf   und   Weitsprung.   Das   hat   motiviert.   Jetzt   wollte ich mehr. Das denke ich. Jetzt hattest du, wie man so schön sagt, Blut geleckt. Ja.   Nach   drei   Goldmedaillen   bei   der   Bayerischen   Seniorenmeisterschaft   1991   startete   ich   auch   bei   der   nächsten   Deutschen   Meisterschaft,   die   1992   in Bad   Homburg   stattfand.   Auf   das   oberste   Treppchen   hat   es   hier   noch   nicht   gereicht,   aber   in   alle   Endläufe   bin   ich   gekommen.   Und   dann   kam   der   erste internationale   Einsatz:   Im   norwegischen   Kristiansand   fand   1992   die   Seniorenweltmeisterschaft   statt.   Mein   Vater   war   im   2.   Weltkrieg   in   Kristiansand stationiert   und   schwärmte   immer   von   dieser   wunderschönen   Stadt   und   den   benachbarten   Fjorden.   Und   seine   Schilderungen   waren   eigentlich   der Grund,   dass   ich   mich   getraute,   auch   dort   einmal   international   mit   zu   machen.   Ich   startete   über   die   100   m   sowie   über   die   200   m   und   erreichte   über   Vor- und   Zwischenläufe   jeweils   das   Finale.   Mit   drei   5.   Plätzen   -   auch   beim   Weitsprung   -   war   ich   damals   bei   starker   und   hochkarätiger   internationaler Konkurrenz    mehr    als    zufrieden.    Bei    den    Managern    des    Leichtathletikverbandes    war    ich    nun    bekannt.    Ab    1992    bin    ich    von    ihnen    oft    zu Ländervergleichskämpfen eingeladen worden. Dann kamen wohl auch Fernreisen? Ja,   1993   flog   ich   zur   Seniorenweltmeisterschaft   nach   Japan.   Und   dort   wurde   ich   über   die   100   m-Strecke   und   beim   Weitsprung   sehr   zufriedene   Zweite, über   die   200   m   Dritte.   Mit   der   Staffel   holten   wir   uns   damals   die   Goldmedaille.   Und   weil   ich   gerade   im   fernen   Osten   war,   beteiligte   ich   mich   gleich   auch noch in Hongkong an den "Asien-Spielen". Die   Senioren-Weltmeisterschaft   1995   fand   in   Buffalo/USA   statt,   wo   ich   erstmals   auch   die   400   m-Strecke   lief.   Sie   war   mir   eigentlich   zu   lang,   aber immerhin   kam   ich   ins   Finale   und   belegte   dort   den   siebten   Platz.   Und   bei   diesem   Ergebnis   qualifizierte   ich   mich   auch   für   die   4   x   400   m-Staffel,   die   wir dann   mit   Weltbestzeit   gewonnen   haben.   Was   waren   wir   da   stolz   auf   die   Goldmedaille!   In   Buffalo   stand   ich   in   der   Klasse   W   55   auch   im   Endlauf   aller Kurzstrecken. Und 4,49 m im Weitsprung brachten mir in diesem Wettbewerb den zweiten Platz und die Silbermedaille. Welche deiner großen Erfolge bedeuten dir heute am meisten? Stolz   war   ich   auf   alle   meine   Siege,   aber   auch   auf   zweite   und   dritte   Plätze.   Ich   kannte   ja   inzwischen   viele   meiner   Konkurrentinnen   und   wusste   sie   auch einzuschätzen.   Wir   wurden   Freundinnen   und   gönnten   uns   gegenseitig   auch   einen   Vorrang.   Mit   vielen   von   ihnen   stehe   ich   auch   heute   noch   in Verbindung.   Gut,   dass   es   das   Telefon   gibt!   Am   besten   in   Erinnerung   sind   mir   die   Weltmeisterschaften   1999   in   Gateshead,   Großbritannien,   2001   im australischen   Brisbane   und   2005   im   spanischen   San   Sebastian.   In   Gateshead   holte   ich   mir   erstmals   den   Titel   einer   Weltmeisterin   und   das   sowohl   im 100   m-Lauf   als   auch   über   die   200   m-Strecke.   Und   unsere   Staffel   gewann   auch   hier   wieder,   wie   schon   viele   Male   zuvor,   die   Goldmedaille.   Die Besonderheit war, dass wir in Gateshead Weltrekord gelaufen sind. In   Australien   holte   ich   2001   mit   meinen   Kolleginnen   erneut   Staffelgold.   Über   200   m   und   im   Weitsprung   wurde   ich   Zweite,   über   100   m   Dritte.   Unseren Flug   nach   Brisbane   haben   wir   damals   in   Singapur   unterbrochen.   Und   da   hatte   ich   auch   einmal   Zeit,   mir   diese   tolle   Stadt   und   ihre   Umgebung anzuschauen.   Auch   in   Australien   gingen   wir   auf   Sightseeing-Tour:   Ich   erinnere   mich   da   noch   gerne   an   eine   Fahrt   zum   Ayers   Rock   und   an   eine eindrucksvolle Wanderung im Kings-Canyon. In   San   Sebastian   ging   ich   2005   sehr   geknickt   an   den   Start,   weil   sich   hier   gesundheitliche   Probleme   anmeldeten,   die   mir   suggerierten,   dass   es   mit meinem   sportlichen   Tun   wohl   zu   Ende   geht.   Insoweit   habe   ich   es   dann   emotional   besonders   stark   empfunden,   als   ich   doch   noch   einmal   einen Weltmeistertitel gewonnen habe und zwar in der Klasse W 65 des Weitsprungs. Was gab es in deiner Laufbahn noch? Eine   schöne   Erinnerung   sind   mir   die   Senioren-Europameisterschaften   1998   im   italienischen   Cesenatico   und   2000   im   finnischen   Jyväskylä.   Aus   Italien brachte   ich   vier   Goldmedaillen   und   zwei   Silbermedaillen   mit   nach   Hause.   Ich   startete   in   der   Klasse   W   60   und   holte   erste   Plätze   auf   der   100   m-Strecke, der   200   m-Strecke   und   zusammen   mit   den   Staffelkolleginnen   auch   bei   den   4   x   100   m   und   den   4   x   400   m.   Mit   Silber   wurden   Weitsprung   und   400   m- Lauf   belohnt.   Jyväskylä   ist   mir   auch   deshalb   noch   in   allerbester   Erinnerung,   weil   wir   hier   die   4   x   100   m-Staffel   in   55,77   Sekunden   gelaufen   sind   -   das war   ein   neuer   Weltrekord,   mit   dem   wir   unsere   eigene   vorherige   Weltbestzeit   unterboten   haben.   Und   dieser   Weltrekord   steht   heute   noch.   Ich   verfolge   in den   letzten   Jahren   alle   Medienberichte   zu   internationalen   Seniorenmeisterschaften   und   bin   dann   immer   sehr   zufrieden,   wenn   jetzt   laufende   Staffeln   der Altersklasse W 60 unsere Zeit nicht unterbieten. Bist du heute noch Inhaberin anderer Rekorde? Ja.   In   der   Klasse   W   65   war   4,36   m   meine   beste   Weite   im   Weitsprung   Die   hat   in   Deutschland   seitdem   niemand   mehr   geschafft.   Da   halte   ich   also   auch noch einen deutschen Rekord. Hast du dich auch an Hallenmeisterschaften beteiligt? Ja,   einmal.   2004   fand   in   Deutschland   erstmals   eine   Seniorenweltmeisterschaft   in   der   Halle   statt.   Und   da   durfte   ich   doch   nicht   fehlen.   Im   Glaspalast   von Sindelfingen   liefen   wir   damals   die   4   x   200   m-Staffel   in   der   Klasse   W   65   mit   Hallen-Weltrekord.   Im   Weitsprung   sprang   ich   ebenfalls   einen   Weltrekord, der   allerdings   nicht   lange   gehalten   hat.   Bei   den   Einzelrennen   über   60   m   und   über   200   m   wurde   ich   in   Sindelfingen   jeweils   Zweite.   Sehr   erfolgreich   war im   gleichen   Jahr   auch   meine   Teilnahme   an   der   Freiluft-Senioren-Europameisterschaft   im   dänischen Aarhus.   Ich   siegte   in   den   Einzelrennen   über   100   m und 200 m und wurde im Weitsprung Zweite. Mit meinen Staffelkolleginnen holten wir auch in Aarhus die Goldmedaillen. Weißt du bei deinen vielen fantastischen Leistungen überhaupt noch, welche Bestzeiten du jemals in deiner Laufbahn erzielt hast? Die   vergesse   ich   nicht.   Sie   stammen   aus   der   Altersklasse   W   50:   Die   100   m   lief   ich   damals   in   13,2   Sekunden,   die   200   m   in   28,7   Sekunden   und weitgesprungen bin ich 5,20 m. Wie stand es in deinen erfolgreichen Jahren mit öffentlicher Anerkennung? Die   kam   auf   mich   zu.   Das   Main-Echo   hat   beispielsweise   im   Jahre   2000   nach   den   Sportlern   des   Jahres   innerhalb   seines   Verbreitungsgebietes   gefragt. Bei   der Auswertung   der   ihm   zugegangenen   Postkarten   entfielen   bei   den   Frauen   die   meisten   Nennungen   auf   mich.   Das   hat   mich   schon   stolz   gemacht. Schön   war   es   auch   in   München,   wo   ich   zum   Empfang   anlässlich   des   Antrittsbesuches   von   Bundespräsident   Köhler   beim   damaligen   Ministerpräsident Stoiber eingeladen war. Mit Bundespräsident Köhler konnte ich da ein längeres Gespräch führen. Und wie war das nach deiner Rückkehr aus San Sebastian? Die Trauer   war   schon   da,   als   mir   die   Ärzte   sagten,   dass   es   mit   meinem   Sport   wohl   vorbei   sei.   Meine   sporadisch   immer   wieder   auftretenden   Schmerzen unterdrückte   ich   mit   Walking   und   Aqua-Jogging.   Insbesondere   im   Wasser   war   ich   fast   immer   schmerzfrei.   In   dieser   Zeit   habe   ich   dann   auch   gemerkt, dass   man   beim   Sport   nicht   einfach   loslassen   kann.   Das   Ergebnis   war,   dass   ich   mir   Strecken   von   mehr   als   1000   m   im   Wasser   auferlegt   habe.   Es   hat   mir einfach gut getan. Und was war der Grund, dass du Anfang 2013 zu den Herzsportlern des TVE gekommen bist? Ich   hatte   im   November   2012   ein   kardiologisches   Problem,   konkret:   Ein   Infarkt   traf   mich   quasi   aus   heiterem   Himmel.   Und   nach   Krankenhaus   und   Reha wurde   mir   empfohlen,   mich   am   Herzsport   zu   beteiligen.   Und   das   macht   mir   heute   auch   Spaß.   Ich   bin   in   einer   Gruppe,   die   nicht   bissig   ein   Programm abarbeitet, sondern in der auch oft gelacht wird. Und in ihr fühle ich mich sehr wohl. Und, liebe Elfriede, jetzt sage mir noch, wie es dir heute geht. Ich   bin   zufrieden.   Meine   Familie   hat   jetzt   mehr   von   mir.   Und   für   sie   arbeite   ich   gerade   an   der Aufzeichnung   meiner   Lebensgeschichte.   Unter   dem   Titel "Wie   ein   Windhauch"   schreibe   ich   nieder,   was   mir   wichtig   ist.   Meine   beiden   Kinder   und   mein   Enkel   Till   sollen   später   einmal   ein   Buch   in   Händen   haben, das die Erinnerung an mich wach hält. Ziehen wir ein Resümee: Wie viele Medaillen schmücken dein Zuhause? Es   sind   sehr   viele.   Ich   habe   sie   noch   nicht   durchgezählt. Aber   ich   denke,   es   sind   mehr   als   60   Medaillen   von   nationalen   Wettbewerben   und   mindestens 20 Medaillen von Siegen und Podestplätzen bei Europa- und Weltmeisterschaften. Ich   danke   Dir,   liebe   Elfriede,   dass   du   mich   ein   wenig   in   dein   Leben   hast   schauen   lassen.   Für   mich   sind   deine   sportlichen   Leistungen   aller   Ehren   wert. Wie du weißt, werde ich unser Interview in die WIR einstellen, die Zeitschrift des TV "Elsava", dem du ja auch schon immer verbunden gewesen bist. zurück
Herzsportgruppen Turnverein Elsenfeld Abteilungsleiter: Heinz Ruppert Tel.: 09372 / 65 09
Übungsstunden: montags: 18:30 bis 20:00 Uhr dienstags: 19:30 bis 21:00 Uhr
Herzsport Elsenfeld